Tiefenwärme als strategischer Baustein der Wärme-Energiewende
Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Deutschland stellt eine zentrale Herausforderung im Rahmen der Energiewende dar, da ein Großteil der benötigten Energie in diesem Sektor noch immer aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird (siehe Bemühungen beim Gebäudeenergiegesetz GEG). Um die Treibhausgasemissionen signifikant zu senken und das Ziel der Klimaneutralität bis spätestens 2045 zu erreichen, ist die Erschließung klimafreundlicher Alternativen unerlässlich. Hierbei kommt der Tiefengeothermie, der Nutzung von Erdwärme aus Tiefen ab etwa 400 Metern, eine Schlüsselrolle zu.
Die tiefe Geothermie nutzt Wasser (mit über 60°C bis über 120°C aus tiefen Gesteinsformationen in bis zu 5 Kilometern Tiefe zur Wärme- und Stromerzeugung. Im Gegensatz zur oberflächennahen Geothermie (bis ca. 400 Meter Tiefe) kann die tiefe Geothermie ganze Stadtteile und Städte zuverlässig mit grundlastfähiger, das heißt wetter- und zeitunabhängiger, Wärmeenergie versorgen. Sie ist eine erneuerbare Energiequelle mit sehr geringen CO2-Emissionen. Trotz höherer Anfangsinvestitionen und gewisser Kostenrisiken bei Tiefbohrungen gilt die Technologie langfristig als ökonomisch tragfähig und ist aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit und Klimafreundlichkeit ein idealer Ersatz für fossile Brennstoffe. Angesichts der politischen Bestrebungen zur Wärmewende (wie z.B. das Heizungsgesetz) und steigender Energiepreise gewinnt die Geothermie, insbesondere die tiefe Geothermie, zunehmend an Bedeutung als zentraler Pfeiler für eine nachhaltige und klimafreundliche Wärmeversorgung in Deutschland.
Förderung der Exploration und Akzeptanz
Um die Potenziale der tiefen Geothermie umfassend zu nutzen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die „Explorationsinitiative Geothermie“ im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms ins Leben gerufen (diese Fördermaßnahme ist Teil der "Wärme-Mission" und verfolgt das ambitionierte Sprinterziel, bis 2030 ein geothermisches Potenzial von rund 10 TWh von ca. 190 TWh Gesamtbedarf zusätzlich zu erschließen). Diese Initiative zielt darauf ab, die Erkundung und Exploration neuer, bisher nicht oder kaum untersuchter Regionen und Standorte in Deutschland voranzutreiben, da die Geothermie am Anfang einer möglichen kommerziellen Nutzung in diesen Gebieten steht. Gefördert werden hierbei nicht nur klassische offene tiefengeothermische Systeme, bei denen Thermalwasser wieder in den Untergrund zurückgeführt wird, sondern erstmals auch petrothermale Systeme.
Die Initiative gliedert sich in drei zentrale Module, die eine erfolgreiche Projektentwicklung unterstützen sollen: Modul 1 konzentriert sich auf Vorstudien, die als Voraussetzung für die folgenden Schritte dienen. Modul 2 umfasst Explorations- und Demonstrationsprojekte zur konkreten Erschließung. Ergänzend dazu zielt Modul 3 auf wissenschaftlich begleitende Untersuchungen ab. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Förderung sind projektbegleitende Maßnahmen zur sozialen Akzeptanz, da für den Ausbau der Geothermie die Akzeptanz in der Bevölkerung von großer Bedeutung ist. Die Projekte sollen insbesondere von Verbünden unter Führung eines gewerblichen Partners oder eines Anwenders, ergänzt durch wissenschaftliche Expertise, durchgeführt werden.
Im Zuge der breiteren Energiewende stoßen die Stromnetzbetreiber durch die zunehmende Anzahl an Wärmepumpen, Solaranlagen und Ladestellen immer öfter an ihre Kapazitätsgrenzen. Eine Wärmeversorgung abseits der strombasierten Wärme hilft dabei, diese Situation zu entspannen. Die Tiefenwärme als grundlastfähige Energiequelle bietet dafür eine langfristige Perspektive.
Die "Explorationsinitiative Geothermie" ist eine gezielte Maßnahme der Bundesregierung, um die Nutzung der Tiefenwärme deutlich voranzutreiben. Sie reduziert die anfänglichen Explorationsrisiken und erleichtert so die notwendigen Investitionen in diesen Teil der Wärme-Energiewende.
Link zum Förderschwerpunkt Geothermie: Geothermie - energieforschung.de
© Gerald Friederici 01/2026